Im Dienste Helmut Schmidts: Interviews mit Zeitzeug*innen

In unserem Zeitzeugenprojekt befragen wir Menschen, die mit Helmut Schmidt während seiner Zeit als aktiver Politiker, aber auch danach als Altkanzler, Publizist und Zeit-Herausgeber zusammengearbeitet haben. Dabei interviewen wir nicht nur prominente Persönlichkeiten aus Politik, Medien und Wirtschaft, die zu seinen engeren Weggefährten zählten. Wir lassen insbesondere auch die Zeitzeug*innen zu Wort kommen, die nicht selten übersehen und überhört werden: Frauen und Männer, die zum Beispiel Reden für Schmidt entworfen haben, seine Büros leiteten, ihn beraten haben und auf Reisen in alle Welt begleiteten. Jene Personen also, die seine Arbeit unmittelbar mitgestalteten, aber zumeist im Hintergrund geblieben sind.

Die Ziele unseres Projekts

Von den (teil-)narrativen Interviews erhoffen wir uns, Wissenslücken zu schließen und neue Einblicke in die Bereiche zu eröffnen, über die zumeist nur wenig bekannt ist und die der Öffentlichkeit bislang nicht zugänglich waren. Die Erinnerungsberichte und Einschätzungen der Zeitzeug*innen sollen nicht nur die Kenntnisse über Helmut Schmidts Persönlichkeit, sein Denken und Handeln, seine Arbeitsweise und sein Netzwerk vertiefen. Zugleich möchten wir auch die Berufsbiografien, den Arbeitsalltag und die Perspektiven der Menschen dokumentieren und erschließen, die für ihn tätig waren und ihn näher kennengelernt haben. Ziel des Projekts ist es, durch diese Oral-History-Interviews einen vielstimmigen und spannenden Erinnerungsraum zu schaffen und für die Nachwelt zu sichern. Ebenso wollen wir damit einen Beitrag dazu leisten, die Rekonstruktion historischer Zusammenhänge und Prozesse zu befördern.

Unsere Fragen und Interessen

Unsere Erkenntnisinteressen sind vielfältig: Zum einen fragen wir in den Interviews, wie die Arbeit für und mit Helmut Schmidt konkret aussah, welche Aufgaben und Herausforderungen zu meistern waren und wie die Interviewpartner*innen den Politiker und Menschen persönlich erlebt und wahrgenommen haben. An welche besonderen Ereignisse und Erfahrungen erinnern sie sich? Was waren prägende oder auch kritische Momente in der Zusammenarbeit? Welche Eigenheiten kennzeichneten Schmidts Verhalten in seinem direkten beruflichen Umfeld? Was war sein Verständnis von Politik, Geschichte, Journalismus, Kunst? Zum anderen stehen die Befragten selbst im Blickpunkt des Projekts: Wer sind die Menschen, die für und mit Schmidt gearbeitet haben? Wie ist ihr Leben vor und nach der gemeinsamen Zeit mit ihm verlaufen und wie haben diese Jahre ihren weiteren Lebensweg geprägt?

Unsere Kostproben zum Anschauen und Hinhören

Inzwischen konnten wir bereits 18 Interviews führen, darunter mit mehreren Personen, die zum Redenschreiberteam des Bundeskanzleramts oder zum Mitarbeiterstab im Altkanzlerbüro und bei der Zeit zählten. Unser prominentester Gesprächspartner war zuletzt Peer Steinbrück, der sich ab Mitte der 1990er-Jahre und insbesondere als NRW-Ministerpräsident sowie als Bundesminister der Finanzen regelmäßig mit Helmut Schmidt traf und austauschte. Hier können Sie kurze Ausschnitte aus diesem und anderen Interviews sehen und hören. 

Hier geht es zur Playlist mit weiteren Inteviewausschnitten

Unser Projektteam und unsere Kooperationspartner

Das Zeitzeugenprojekt der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung begann im Januar 2024 und ist zunächst auf zwei Jahre bis Ende 2025 angelegt. Geplant sind ca. 25 Oral-History-Interviews, die wir mit einer Kamera und/oder einem Audiorekorder aufzeichnen. Durchgeführt wird das Projekt durch unseren wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Wolfgang Schmidt und den studentischen Mitarbeiter David Hopper.

Nach Abschluss des Zeitzeugenprojekts werden wir die audiovisuellen Interviews auf der digitalen Erschließungs- und Rechercheplattform Oral-History.Digital (oh.d) archivieren und präsentieren. Auf diese Weise geben wir Personen und Institutionen, welche die Interviews für die historische Forschung, die Medienberichterstattung oder die politische Bildung nutzen und auswerten wollen, die Möglichkeit, einen direkten Zugang zum Quellenmaterial zu erhalten. Grundlage für unsere Zusammenarbeit mit oh.d ist ein Kooperationsvertrag mit der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, die gemeinsam mit dem „Archiv Deutsches Gedächtnis“ der FernUniversität Hagen, der Werkstatt der Erinnerung an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg, dem Lehrstuhl Medieninformatik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und dem Bayerischem Archiv für Sprachsignale der Ludwig-Maximilians-Universität München die Internet-Plattform entwickelt hat und betreibt.